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Klauengesundheit - Klauenerkrankung

Klauengesundheit-Klauenerkrankung

 

Die Gesundheit der Klauen ist Grundlage einer hohen Milchleistung. Sie ist elementar für eine hohe Futteraufnahme und so auch für die Gesunderhaltung der einzelnen Kuh. Klauenerkrankungen hingegen lassen die Futteraufnahme schnell absinken und Folgeerkrankungen wie Ketosen oder Azidosen sind nicht selten. 88% der Lahmheiten werden durch Klauenerkrankungen verursacht, wobei 86% davon die Hintergliedmaßen betreffen. Abhängig von der Art einer Klauenerkrankung können dem Landwirt durch diese rasant hohe Kosten entstehen. Im Schnitt kostet jede Lahmheit um die 350 Euro.

Die Ursachen von Klauenerkrankungen sind ein multifaktorielles Geschehen. Das heißt es gibt nicht den einen Auslöser, sondern es ist immer ein Zusammenspiel verschiedener Ereignisse. Verschiedene Ursachen spielen im Auftreten von Klauenerkrankungen eine Rolle: Mängel in der Haltung und Hygiene, Bodenverhältnisse, Feuchtigkeit, Schmutz, Infektionsdruck, Fütterung, Klauenpflege und nicht zuletzt auch die Genetik.

 

Klauenerkrankungen

 

Klauenrehe

 
- Entzündung der Lederhaut und des Aufhängeapparates der Klaue
- Ursachen: Pansenazidose, Rohfasermangel, Endometritis, Mastitis, Belastung (harter Boden),
  lange Standzeiten (durch Mängel in der Haltung, den Liegebereichen), Verfettung

 

- Entstehung: - Störung der Blutversorgung
                         - Loslösung zwischen Lederhaut und Hornkapsel
                         - Nachbildung der Hornzellen wird gestört, minderwertiges Horn
                         - Rotation und Absinken des Klauenbeins
                         - Druck auf die Klauensohle, Durchbruch

 

- Erkennung: - Prellungen und Blutergüsse auf der Sohle, Vordergliedmaßen
                        - Weiße-Linie- Defekte, eitrig hohle Wand, Wandläsionen, doppelte Sohle
                          Bakterien dringen ein, Abszesse
                        - Deformation der Klauenwand, Reheringe

 

 

Rusterholz'sches Sohlengeschwür

- umschriebene, anfangs aseptische, später infizierte Entzündung der Lederhaut,
  häufigste mechanisch bedingte Klauenerkrankung im Laufstall

- Übergang zwischen Sohle und Ballen an der Außenklaue der Hintergliedmaße (Vordergliedmaße Innenklaue)

- Quetschungen und Blutungen der Lederhaut durch Fehlbelastungen auf hartem Boden

- durch Eindringen von Bakterien, Entzündung Beugesehne und Klauengelenk, Abriss Beugesehne-Kippklaue

- 3-4 x jährlich funktionelle Klauenpflege

 

 

Zwischenzehenphlegmone (Panaritium)

- akute infektiöse Entzündung des Unterhautgewebes

- vom Ziwschenklauenspalt ausgehend und auf den Kronsaumbereich übergreifend,
  Schwellung und Nekrose der Zwischenklauenhaut (dicke Fessel)

- Ursachen: Verletzungen der Haut im Zwischenklauenbereich und Eindringen von Bakterien, Nässe, Schmutz

- systemische Therapie mit Antibiotikum

- Klauenbad

 

 

Mortellaro (Dermatitis digitalis)

- umschriebene, meist rundliche, oberflächliche Hautentzündung meistens im Zwischenballenbereich
  am Übergang zur behaarten Haut, seltener Zwischenklauenspalt oder Kronsaum

- Ursache noch unklar, Spirochaeten, Vielzahl von erregern bisher nachgewiesen

- derzeitige Vermutung: Schädigung der Haut durch Kot und Harn- dadurch leichteres Eindringen von Keimen

- CTC Blauspray

 

 

Wie bereits oben erwähnt zieht jede Lahmheit eine verminderte Futteraufnahme nach sich. Mit dem sogenannten Locomotion Score wird die Schwere der Lahmheit angegeben. Er folgt dem Prinzip der Schulnoten von 1 bis 5:

 

Note    Futteraufnahme            Verhalten im Stand                  Verhalten in Bewegung
   1       100 % gerader Rücken gerader Rücken
   2         90 % gerader Rücken gekrümmter Rücken
   3         70 % gekrümmter Rücken gekrümmter Rücken
   4         50 % gekrümmter Rücken gekrümmter Rücken,
Kopfschwung seitlich
   5         30 % gekrümmter Rücken,
betroffene Klaue nicht
belastet

gekrümmter Rücken,
betroffene Klaue nicht
belastet

 

 

Klauenerkrankungen vorbeugen

 

- sauberer, trockener ebener Untergrund, trittfest; Hornwachstum = Hornabrieb

- regelmäßige professionelle funktionelle Klauenpflege als Herdenschnitt
  (alle Tiere, nach der Korrektur sollten weniger Tiere lahm sein als vorher);
  mindestens zweimal pro Jahr,
  je nach Haltungssystem und Herdenleistung dreimal pro Jahr (z.B. Gummibelag, Tiefstreu, hohe Milchleistung)

- optimaler Zeitpunkt für das Einzeltier vor dem Trockenstellen (Färsen 2 Monate ap, alle Tiere 2 Monate nach der Geburt)

- nicht vor Weideaustrieb, Umstallung oder Veränderungen am Bodenbelag

 

Ziele der funktionellen Klauenpflege sind

- Anpassen der Außenklaue an die Innenklaue

- Zehe kürzen, Tracht lassen

- Hohlkehlung (Ausdünnung des Hornes zur Durchblutung beim Klauenmechanismus, Rusterholzstelle auskehlen)

- erkranktes Gebiet umschneiden (krankes und loses weg) und aus der Belastung nehmen (evtl. Klotz, Verband)

 

 

 

Klauenprobleme durch Hitze

 

Auch hohe Temperaturen belasten die Klauen. Folgeerkrankungen treten jedoch meistens erst zeitversetzt auf. Bei Hitzestress stehen die Kühe vermehrt, um Wärme abzugeben. Auch durch Maulatmung und Schwitzen geben sie Wärme ab, verlieren dadurch aber auch Wasser und Mineralstoffe. Hitzestress führt zusätzlich zu einer verminderten Futteraufnahme. Die Kühe lassen eher das Grundfutter liegen und bevorzugen Kraftfutter. Das führt schnell zur Entgleisung der Verdauung. Insbesondere Frischkalbende sind in dieser Situation gefährdet Ketosen zu entwickeln.

Alle diese vorher genannten Gründe führen zu einer verminderten Durchblutung und Versorgung der Lederhaut. Als Folge dessen lockert sich die Verzahnung zwischen Lederhaut und erster Hornschicht und die Hornbildung ist gestört. Außerdem wird durch die verschlechterte Versorgungslage minderwertiges Horn gebildet. Durch die schlechte Verzahnung von Horn und Lederhaut gelangt Schmutz zwischen die Lamellen und drückt mit jedem Tritt nach oben. Es können sich Geschwüre und Abszesse bilden. Auch chronische Mortellaro-Erkrankungen können durch hohe Temperaturen wieder akut werden. Durch den Hitzestress sind die Kühe anfälliger für Krankheiten und Mortellaro kann erneut ausbrechen.

 

Hitzebedingten Klauenproblemen kann mit verschiedenen Maßnahmen vorgebeut werden. Generell sollte Hitzestress für Kühe so gut es geht durch Lüftung und Kühlung vermindert werden. Weiterhin sollte die Ration auch in warmen Perioden angepasst sein und genügend Rohfaser von den Tieren aufgenommen werden, am besten eignet sich eine gut durchgemischte TMR von sehr guter Qualität. Eine ausreichende Wasserversorgung ist selbstverständlich. Vor einer Hitzeperiode kann ein Klauenschnitt helfen, den Druck auf die Klauen zu verringern und die Klauen auch bei vermehrten Standzeiten so gut wie möglich zu entlasten.

 

Mehr zum Thema Hitzestress gibt es hier

 

 

Einflüsse Vitamine /Spurenelemente

 

Zink

- Bedarf 50 mg/kg TM; Hornschäden bei Mangel

- Zulage bei bedarfsgerechter Versorgung: Verbesserung der Klauengesundheit möglich;
 

ABER Mangel an kontrollierten Untersuchungen

Angebot bei Problemen: 100 mg/kg TS

 

Biotin

- Hornschäden bei "Mangel"; v.a. weiches Horn
  Hornspalten, lose Wand, Ballenfäule

- essentiell für die Synthese von Keratin

- Qualität des Zwischenzellkittes (Elastizität und Härte des Horns)

 

Angebot bei Problemen: 20 mg/Tag
ABER teure Zulage

 

Bei allen Zulagen ist jedoch zu beachten, dass Verbesserungen der Hornqualität nur im nachwachsenden Horn erreicht werden können.

 

Vollständige Erneuerung von
- Sohlen- und Ballenhorn: 3-4 Monate
- Wandhorn: 18-20 Monate

 


 

LEXA-Viatl® Klauen mit 300.000 µg Biotin und 9000 mg Zink (organisch und anorganisch gebunden) zur Verbesserung der Klauengesundheit bei ernährungsbedingten Mängeln

 

 

 

 

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