Kolostrumversorung beim Kalb

Die erste Mahlzeit des neugeborenen Kalbes ist wichtig wie keine andere!

Sie sollte daher eine besondere Beachtung finden.

Der Aufbau der Planzenta ist bei Rindern (wie auch einigen anderen Tierarten) so konzipiert, dass eine Übertragung von Abwehrstoffen der Mutter auf den Fötus nicht möglich ist. Das Kalb kommt also völlig schutzlos gegen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien auf die Welt. Schon allein diese Tatsache macht deutlich, dass es wichtig ist, dem Kalb so bald wie möglich nach der Geburt das Kolostrum zu verabreichen. Dieses enthält zu einem großen Anteil stallspezifische Antikörper, durch die das Kalb dann geschützt wird. Dieser Schutz durch die Antikörper aus der Biestmilch nennt sich passive Immunität.

Die Konzentration der Abwehrstoffe im Kolostrum und somit auch dessen Qualität nimmt nach der Geburt schnell ab. Die Kuh sollte daher nach der Geburt sehr bald komplett ausgemolken werden um dieses Gemelk dem neugeborenen Kalb zu verabreichen. Ein weiterer Grund, warum das Kalb so schnell wie möglich eine ausreichende Menge an Kolostrum mit guter Qualität erhalten muss ist, dass nur in einem sehr begrenzten Zeitraum kurz nach der Geburt die Darmwand durchlässig ist für die Immunglobuline. Dies sind Abwehrstoffe und sie bestehen aus sehr großen Eiweißmolekülen. Sollte also ein Kalb nicht freiwillig das angebotene Erstkolostrum aufnehmen, sollte unverzüglich eine ausreichende Menge per Sonde oder Drencher verabreicht werden.

Die Abwehr der Kälber gegen Durchfallerreger kann indirekt noch gestärkt werden, indem die Mütter in der Hochträchtigkeit gegen Rota- und Coronaviren, sowie in der Regel E.coli geimpft werden. Trotz allem ist eine Verringerung der Durchfallerkrankungen bei Kälbern abhängig von der Qualität der Kolostrumversorgung der Kälber.

Auch nach dem ersten Lebenstag ist eine Versorgung der Kälber mit der Muttermilch sinnvoll. Die darin enthaltenen Immunglobuline können zwar nicht mehr ins Blut aufgenommen werden, aber wirken sich positiv auf die Schutzfunktion der Darmschleimhaut aus.

In jedem Zuchtbetrieb sollte es eine ausreichende Menge an eingefrorenem Kolostrum geben. Dieses Kolostrum sollte vom ersten Gemelk nach der Geburt von älteren und gesunden Kühe stammen, um die stallspezifische Abwehr sicherzustellen. Um die Wirkung sicherzustellen, sollte das Kolostrum maximal ein halbes Jahr eingefroren sein. Optimalerweise wird es in 1-Liter Portionen eingefroren und damit das Auftauen nicht zu lange dauert, in flachen Gebinden. Die Temperatur beim Auftauen darf 45°C nicht übersteigen, da die Eiweißstrukturen sonst zerstört werden.

Zusammenfassung

> Die Kuh so bald wie möglich nach der Kalbung melken (vollständig ausmelken, 5-6 Liter)

> innerhalb der ersten 2-3 Lebensstunden sollte das Kalb mindestens 2 Liter des Erstgemelks trinken-
                            je eher und je mehr es trinkt, umso besser

> nach weiteren circa 3-6 Stunden sollte das Kalb noch einmal etwa 2 Liter des Erstgemelks trinken

> danach wird das Kalb mit der aktuell ermolkenen Milch getränkt ( 12-15% des Körpergewichtes; 3 Mahlzeiten)

> trinkt das Kalb die erste Kolostrummenge nicht freiwillig, sollten etwa 3-4 Liter Erstgemelk per Sonde verabreicht werden; ansonsten ist die Zwangstränkung zu vermeiden

> Qualität des Kolostrums ist abhängig vom Immunglobulingehalt und dem möglichst stallspezifischen Gehalt an Antikörpern; es sollte pro Milliliter 58-60 mg Immunglobuline enthalten, der IgG-Gehalt kann z. B. mit einem Refraktometer bestimmt werden → liegt der Wert darunter, so muss das Kolostrum aufgewertet werden

 

Zusammensetzung von Kolostrum im 1.-3. Gemelk p.p. im Vergleich zu Milch

                                                      1. Gemelk    2. Gemelk    3. Gemelk     Milch      
         
 Trockenmasse (%)  23,9 17,9 14,1 12,9
 pH-Wert  6,32  6,32  6,33  6,5
 Protein (%)  14,0  8,4  5,1  3,1
 igG (g/100ml)  3,2  2,5  1,5  0,06
 Fett (%)  6,7  5,4  3,9  4,0
 Laktose (%)  2,7  3,9  4,4  5,0

 


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