Milchfieber

Im geburtsnahen Zeitraum ist Milchfieber, auch Hypocalcämie oder Gebärparese genannt, die häufigste Stoffwechsel-Erkrankung. Zwar sinkt die Anzahl der offensichtlichen Fälle, welche mit dem Festliegen der Kühe einhergehen, dafür steigen die Fälle des subklinischen Calciummangels.

Ursächlich für Milchfieber ist ein Calciummangel im Blut. Dieser kann durch das abrupte Umstellen von einer Ruhe- in eine Hochleistungsphase entstehen. Für die Milch wird eine enorme Menge an Calcium benötigt- pro Liter etwa 2,3 g. Um diesen Wert zu erreichen, muss die Kuh den Mineralstoff nicht nur aus dem Futter verwenden, sondern auch aus den körpereigenen Reserven, wie z.B. den Knochen. Bei Kühen, deren Stoffwechsel sich nicht schnell genug anpassen kann, sinkt der Calciumgehalt im Blut und es kommt zur Hypocalcämie.

Dieser Zustand führt zwar nicht zwangsläufig zum Festliegen, bewirkt aber eine Einschränkung der glatten Muskulatur, sodass es leichter zu Verletzungen kommt. Eine herabgesenkte Pansen- und Darmmotorik erhöht zusätzlich das Risiko von Labmagenverlagerungen.

 

Was tun bei Milchfieber?

  • bei Kühen, die noch stehen, reicht oft eine orale Gabe von Calcium
  • bei festliegenden Kühen muss Calcium intravenös verabreicht werden

Subklinisches Milchfieber (ohne sichtbare klinische Symptome) kommt dreimal häufiger vor, als klinisches Milchfieber (bis zu 30% der Herde können nach dem Abkalben betroffen sein). Solche Kühe haben einen schlechteren Start in die Laktation und ein größeres Risiko von Folgeerkrankungen (Labmagenverlagerungen, Ketosen). Außerdem kann der Milchverlust bei bis zu 2000 Litern liegen, die Kühe, welche festliegen, werden schlechter tragend und jede 8. Kuh überlebt ein Milchfieber nicht.

Welche Anzeichen müssen beachtet werden?

Das klassische Milchfieber verläuft in 3 Phasen:

  1. Tiere sind überempfindlich und unruhig, haben Muskelzuckungen (z.B. Ohren, Schultergegend), kein Appetit, unwillig zu laufen, unsicherer Gang
  2. sehr träge, Gangbild unkoordiniert, schläfriger Gesamteindruck, im weiteren Verlauf Festliegen in Brustlage, eingeschlagener Kopf, kalte Körperoberfläche und Ohren, normale bis erniedrigte Körpertemperatur
  3. Festliegen in Seitenlage, keine Reaktion auf äußere Reize, Aufblähen möglich, falls keine sofortige Behandlung erfolgt, verendet das Tier

VORSICHT! Eine schwere E. coli-Mastitis zeigt sehr ähnliche Symptome. Da beide Erkrankungen schnell lebensbedrohliche Ausmaße annehmen, sollte unbedingt auf die kleinen Unterschiede geachtet werden. Beim Milchfieber hat die Kuh keine erhöhte Temperatur, bei der E. coli Matitis hingegen sind Temperaturen > 40°C üblich. Außerdem ist das Eutersekret bei der Mastits wässrig, sodass dieses auch unbedingt vor einer Calciuminfusion kontrolliert werden sollte.

Beim subklinischen Milchfieber sind die Symptome weniger deutlich:

  • Tiere liegen viel, aber nicht fest
  • stehen schwerfällig und zögerlich auf
  • schwankender Gang
  • fressen kaum und kauen nicht wieder
  • wechselwarme Ohren
  • kein Erreichen der erwarteten Leistung nach der Kalbung

Ein atypisches Milchfieber kann durch Magnesium- oder Phosphormangen bzw. auch durch Leberschäden verursacht werden. Die Ähnlichkeit der Symptomatik kann eine eindeutige Diagnose erschweren:

  • Tier liegt fest, ist aber aufmerksam und nicht komatös (frisst, gibt Milch)
  • spricht nicht auf Calciuminfusionen an
  • Folgeschäden durch Festliegen möglich (Muskelschäden)

 

Milchfieberprophylaxe:

  • Vermeidung einer Verfettung der Kühe
  • keine abrupten Rationswechsel
  • Calciumgaben 12 Stunden vor bis 24 Stunden nach dem Kalben (oral als Lösung, Kartuschen oder Boli, intravenöse oder subkutane Gabe einer Calciumborogluconat-Lösung unmittelbar nach der Kalbung)
  • Calciumarme Trockensteherfütterung; insbesondere 2-3 Wochen vor der Kalbung max. 40 g/Kuh und Tag (sofort nach der Kalbung das Ca-Angebot anheben)
  • 2-8 Tage vor der Kalbung eine intramuskuläre Gabe von Vitamin D3 (nicht bei Färsen, max. 2 Gaben, Geburtstermin muss genau bestimmt sein, da sonst das Milchfieberrisiko steigt)
  • NSBA im Harn kontrollieren (erhöhte NSBA kann ein Zeichen für ein erhöhtes Milchfieberrisiko bedeuten)

 

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