Ketose

Ketose

 

Der Energiebdarf einer Milchkuh kann sich nach der Kalbung innerhalb weniger Tage verdoppeln. Dabei ist die Kuh allerdings in dieser Zeit noch gar nicht in der Lage, eine ausreichende Menge an Futter und Energie aufzunehmen. Folglich kommt es zu einer negativen Energiebilanz. Um dieses Defizit auszugleichen, wird von der Kuh Körpereiweiß und -fett mobilisiert. In diesem Fall steigt die Konzentration der freien Fettsäuren (NEFA) im Blut. Diese entstehen durch die Mobilisation von Fettgewebe. Durch den Energiemangel kann der Stoffwechsel aber nicht alle freien Fettsäuren sofort verwerten und speichert dadurch etwa 25% in der Leber. Die Leber kann nicht so viele NEFA verstoffwechseln und verfettet. Darunter leidet die Funktionalität. Der Organismus benötigt Glukose für den Ab- und Umbau der NEFA. Ist diese nicht ausreichend vorhanden, so häufen sich die krankmachenden Ketonkörper wie Aceton und β-Hydroxybutyrat (BHB). Schließlich erkrankt die Kuh an einer Ketose.

Eine Ketose, ob klinisch oder subklinisch, sollte immer kritisch betrachtet werden, da das Risiko einer Folgeerkrankung bei diesen Kühen deutlich erhöht ist. Mögliche Erkrankungen sind beispielsweise Gebärmutterentzündungen und Labmagenverlagerungen. Einbußen können durch geringere Milchbildung und Fruchtbarkeitsstörungen zu Tage treten. Unterschiede hinsichtlich des Erkrankungsrisikos gibt es je nach dem Zeitpunkt der Ketose. Das Risiko einer Labmagenverlagerung oder des frühen Ausfalls ist demnach bei einer früh auftretenden Ketose erhöhrt gegenüber einer spät auftretenden. Auch Fruchtabrkeit und Milchleistung sind bei einer früh auftretenden Ketose eher gestört. Allerdings tritt die Ketose zu 90% in der Frühlaktation auf; einige Kühe beginnen sogar schon vor der Abkalbung mit dem Einschmelzen von Körperreserven.

 

Besonders gefährdet an einer Ketose zu erkranken sind:

- Kühe mit mehr als drei Laktationen (dreifach höheres Erkrankungsrisiko)

- Kühe mit NEFA-Gehalten von >0,3 meq/l vor der Kalbung (erkranken bis zu 1,9-mal häufiger)

- Schwerkalbungen und Totgeburten (2,6-mal bzw. 2,2-mal höheres Risiko)

- männliche Kälber (bis zu 1,9-fach höheres Ketoserisiko)

 

Wie erkennt man eine Ketose?

 

Subklinische Symptome fallen meist nicht besonders deutlich aus:

- festerer Kot oder Durchfall

- keine Lust zu fressen

- Gewichtsreduktion

 

Klinische Symptome sind dagegen recht eindeutig:

- Acetongeruch

- glänzender und geballter bis scheibenförmiger Kot

- schwankender Gang

- Schreckhaftigkeit

- Aggressivität

 

Eindeutige Ergebnisse, ob eine Kuh an Ketose erkrankt ist, liefern Untersuchungen von Blut, Urin oder Milch. Der erste Test der BHB-Konzentration um Blut sollte ab dem dritten Tag nach der Kalbung erfolgen. Pauschalisierend lässt sich sagen, dass ein Konzentrationsanstieg von 0,1 mmol/l BHB die Milchleistung um rund ein halbes kg sinken lässt.

 

Behandlung einer subklinischen Ketose

Bei einem BHB-Gehalt > 1,2 mmol/l sollten die Kühe mit Propylenglykol behandelt werden. Die Behandlung erfolgt einmal täglich über Drencher, bis der BHB-Gehalt unter 1,2 mmol/l gefallen ist (im Schnitt dauert das etwa 5 Tage). Die Behandlung kann über eine einmalige Vitamin B12 Gabe in Höhe von 25 ml ergänzt werden. Bei einem BHB-Gehalt ab 3,0 mmol/l wird eine intravenöse Gabe von 125 mg Dextrose empfohlen, die gegebenenfalls durch Corticosteroide unterstützt werden kann.

Propylenglykol, welches oral eingegeben wird, kann die subklinische Ketose heilen und die Entwicklung zu einer klinischen Ketose verhindern. Des Weiteren kann es in einigen Herden den Milchertrag in der frühen Laktation erhöhen und das Risiko von Labmagenverlagerungen vermindern. Vor der Abkalbung sollte es jedoch nicht verabreicht werden, das es osmotische Wirkung hat und Durchfall auslösen kann.